LV Steiermark Judo News

"111 Gründe, Judo zu lieben"

Ort: Schwarzkopf & Schwarzkopf, Verlag Berlin
Datum:
Erscheinungdatum 2019

von Roland Grohs

111 Gründe Judo, Judo zu lieben" von Roland Grohs,

 

Buch so heißt das Buch aus der Feder des steirischen Judoka Roland Grohs. Für den Berliner Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag brachte er seine sportlichen Erfahrungen zu Papier, um unsere großartige Kunst einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.
Die Lektüre bietet 111 ausgewählte Episoden zu den wichtigsten Grundlagen, zur Geschichte und der Philosophie.

 

LESEPROBE:

Weil Judo sanft ist

Sanft? Wirklich? Zugegebenermaßen handelt es sich dabei um kein Attri-but, das der Laie unbedingt mit einem Kampfsport in ­Verbindung bringen würde. Man denkt in diesem Kontext eigentlich an etwas ganz anderes: Schläge hageln auf einen ein, oftmals auch Tritte und am Ende der Karrie-re hat man womöglich einige Zähne und wahrscheinlich auch eine nicht zu vernachlässigende Anzahl an Gehirnzellen eingebüßt. So ein Bild hat man wohl eher vor Augen, wenn man bereits den einen oder anderen Boxkampf verfolgt oder ein paar Bruce-Lee- oder Jackie-Chan-Filme gese-hen hat. Zumindest für einen geht es hier in der Regel schlecht aus.


Nun, die meisten Menschen legen verständlicherweise Wert darauf, mit 30 noch halbwegs gerade laufen zu können. Außerdem möchte man sich dann noch in der Lage sehen, einem Gespräch zu folgen, das die Dimension von Wetteranalysen oder die Frage nach dem eigenen Befin-den überschreitet.
An dieser Stelle gibt es gute Nachrichten: Judo ist keinesfalls so offen-siv wie etwa Karate, Thai-Boxen, Taekwondo oder die Mixed Martial Arts. Schläge und Tritte sind tabu. Verletzungen sind trotzdem niemals ausgeschlossen, aber wirklich sehr selten. Judo wurde als ein Kampfsport konzipiert, der gerade darauf den Schwerpunkt legt, unnötige Verletzun-gen zu vermeiden. Mit "Der sanfte Weg" lässt sich der japanische Begriff "Judo" übersetzen, und n o m e n ist hier tatsächlich o m e n.
Freilich verliert auch das Judo ein wenig von seiner Sanftheit, wenn es an die gezielte Wettkampfvorbereitung geht. So ist es aber in jedem Sport. Friedfertigkeit adelt ohne Zweifel den Cha-rakter, aber im Turnier hält man dann meist doch ungern die andere Wange hin. Der Gegner landet zwar nicht auf Watte oder auf Wolken, dafür aber auf den Judo-Matten, die sich nach einiger Zeit fast schon weich anfühlen. Es wird damit ein ver-nünftiger Kompromiss zwischen "Alleee Menschen weeerden Brüüüder …" und der totalen Zerstörung des Gegners ge-schlossen. Dieser ist zumindest während des Übens immer ein geschätzter und wichtiger Trainingspartner.
Geworfen zu werden ist der Gesundheit nicht abträglich. Die ersten Wochen mag man es noch etwas intensiver wahrnehmen, aber dafür sind die Knochen bald gestärkt. Durch Mikrofrakturen werden entsprechende Reize gesetzt, und die Knochen wachsen daraufhin stärker zusammen. Damit wird man zwar noch lange nicht unzerstörbar, aber immerhin erheblich widerstandsfähiger. Es gilt das etwas überspitzte Motte: Was mich nicht umbringt, macht mich stärker. Maßvoll angewandt, ist der auf Nietzsche zurückgehende Ausspruch definitiv zutreffend.
Festhaltetechniken sind auch nicht weiter schlimm. Man könnte sie sogar als ausgesprochen sanft bezeichnen. Mit Würgetechniken verhält es sich da schon etwas anders. Man muss wohl einräumen, dass diese auch ein wenig unangenehm sein können. Aber wenn man tatsächlich einmal so empfinden sollte, dann wird eben abgeklopft. Im Wettkampf muss hier natürlich immer zwischen persönlichem Wohlbefinden und den eigenen Ansprüchen und Zielen abgewogen werden. Ernste Verletzungen drohen dabei jedenfalls kaum. Schlimmstenfalls schlummert man für wenige Sekunden, ehe man vom Kampfrichter wieder geweckt wird. Aber nach kurzer Verwirrung ist man schnell wieder bei sich.
Hebeltechniken sind wahrscheinlich das, was man im Judo noch als das am wenigsten Sanfte bezeichnen muss. Wenn diese einmal wirklich durchgezogen werden, kommt wenig Freude auf. Es gab bei größeren Wettkämpfen schon Fälle, die sehr schmerzhaft geendet haben. Man muss es sich folgendermaßen vorstellen: Der eine Athlet ist nach Punkten in Führung, und die Zeit ist bereits um. Dennoch hat der Kontrahent seinen Hebel schon angesetzt, und solange die Technik noch eine ent-sprechende Wirkung erwarten lässt, muss der Kampf weitergeführt wer-den, auch wenn es jedem Außenstehenden schon beim bloßen Zusehen wehtut. Jetzt muss man sich entscheiden: abklopfen oder durchbeißen. Nicht jeder Athlet verschenkt an dieser Stelle einen sicheren Sieg.
Immerhin darf im Judo bewusst nur das Ellbogengelenk gehebelt wer-den. Schulter und Knie sind also ausgenommen, und ein dahingehender Verstoß wird sofort mit "Hansoku-make", einem schweren Regelverstoß, geahndet. Damit ist der Kampf vorbei, denn eine unzulässige Gefährdung des Kontrahenten wird im Judo nicht toleriert. Wie gesagt, Judo geht den sanften Weg - hin und wieder kann er aber doch etwas holpriger werden.

ROLAND GROHS
111 GRÜNDE, JUDO ZU LIEBEN
EINE LIEBESERKLÄRUNG AN DIE SCHÖNSTE SPORTART DER WELT

248 SEITEN | TASCHENBUCH
ISBN 978-3-86265-799-5
12,99 EUR (D)
SCHWARZKOPF & SCHWARZKOPF VERLAG, BERLIN 2019
WWW.SCHWARZKOPF-SCHWARZKOPF.DE

 


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